Osteopathie

Osteopathie am Pferd

Der Name "Osteopathie" ist eigentlich denkbar ungünstig für eine Therapieform, denn er bedeutet "Knochenkrankheit". Derf Begriff ist vor rund 150 Jahren von dem Arzt Dr. Taylor Still in den USA geprägt worden. Dieser hat erkannt, dass bei Einschränkung der natürlichen Bewegungsfunktionen Krankheit entstehen können.

Osteopathie am Pferd

Dabei werden 3 Bereiche unterschieden:

  • Einschränkung der Gelenkfunktion / des Bewegungsapparates
  • Einschränkung im Weichteilbereich (Bindegewege = Faszien und Organe)
  • Einschränkungen im craniosacralem System (Schädel und Nervensystem)

Während sich Chiropraktiker vorwiegend auf die Gelenkfunktionen konzentrieren, gehen osteopathische Behandlungstechnicken auf alle drei Bereiche ein und versuchen entsprechende Dysfunktionen – eingeschränkte Körperfunktionen – zu lösen.

Für das Testen der Gelenkfunktionen müssen diese auch bewegt werden, also Beine gehoben, Rücken aufgewölbt etc. Manchmal wird dies auch als "Einrenken" bezeichnet. Aber ausgerenkte Gelenke gibt es eigentlich nicht, und die Bewegung der Gelenke dient letztendlich zum Testen, wo noch ein "falscher Zug" herkommt, um ihn dann durch angepasste Techniken zu lösen.

Die osteopathische Behandlung kann ursächlich wirksam sein oder nur unterstützend wirken, wenn der Körper bereits eine Fähigkeit gänzlich verloren hat. Manchmal braucht man mehrere Behandlungen, um im "Zwiebelschalen-Prinzip" zum "Pudelskern" zu kommen.

Sind bereits irreversible Strukturveränderungen, wie z. B. ein fortgeschrittener Gelenkverschleiß (Arthrose) vorhanden, so können lediglich die funktionellen Anteile behandelt werden, die vielleicht Ursache dafür sind oder sich aufgrund von Schmerzen aufgebaut haben.

Ursache der meisten Bewegungseinschränkungen sind – meiner Erfahrung nach – Unfälle, wie Stürze, Aufhängen im Halfter, Ausrutschen und Verspringen über dem Sprung  sowie andere Traumata - auch bei der Geburt, die dann über das Reiten verschlimmert werden können. Deshalb ist gutes Reiten (oder Bodenarbeit) wichtig für eine gute Gymnasitzierung. Traumata sind damit aber nicht herauszulösen.

Narbenbehandlung

Auch Narben können starke Störfelder für den natürlichen Bewegungsablauf sein und chronische Schmerzen verursachen. Besonders Wallache können hiervon mit ihrer Kastrationsnarbe betroffen sein. Deshalb wird von mir eine Narbenentstörung empfohlen. Grundlage meiner Narbenentstörung ist eine vom Therapeutenverband hergestellte Narbensalbe, die nicht allergen ist, aber zu einer vermehrten Versorgung der Narbe führt.

Ein wesentlicher Anteil der osteopathischen Behandlungstechniken sind deshalb sogenannte "Release = Entspannungs"-Techniken, bei denen der Therapeut versucht, mit seinen Händen den Ursachen von Spannungen im Körper auf den Grund zugehen. Dazu ist ein gutes anatomisches Wissen mit räumlicher Vorstellungskraft, Erfahrung im Spüren und manchmal auch Geduld notwendig.

Das kann zur Folge haben, dass Stoffwechselendprodukte, die sich in der Narbenregion abgelagert haben, abtransporiert werden. Dies kann durchaus zu einer heftigen lymphatischen Schwellung führen, die aber innerhalb von einer guten Woche wieder zurückgeht. Dies ist vor allem bei bestehenden Trainings- und Turnierplänen zu beachten.